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Tierisch! Grafiken aus den 1880er Jahren – neue Ausstellung in der Bücherei

Neidisch schauen die beiden Schweine über den Zaun auf den Futterteller des Truthahns. „Brodneid“ ist die Grafik tituliert. Sie ist eine der vielen Tierillustrationen aus den Jahren 1880 – 90, die jetzt in der Bücherei zu sehen sind.

Die Illustrationen stammen aus alten Familienmagazinen, die ab 1850 wöchentlich sonntags erschienen. Diese Vorgänger unserer heutigen Illustrierten hatten immerhin eine Auflage von 200.000 – 300.000 Stück und wurden gehütet wie ein Augapfel. Jahrgangsweise wurden sie gebunden, der Verlag bot dekorative Ledereinbände mit Goldschrift-Prägung an, die in der Bibliothek eines gutbürgerlichen Haushaltes ausgestellt wurden.

Die Erfindung des Holzstiches löste den Holzschnitt ab, der nur eine Wiedergabe in Schwarz-Weiß ermöglichte. Beim Holzstich wurden ganz feine Linien in hartes Holz gezogen, die die unterschiedlichsten Grauschattierungen, feine Tonabstufungen und Detailgetreue zuließen. Der in England erfundene Holzstich verbreitete sich schnell nach Deutschland und Frankreich und revolutionierte die populären Illustrierten, deren Nachfrage sprunghaft anstieg.

Die Leserschaft damals interessierte sich vorwiegend für Geschehnisse aus den Königshäusern, bekannte und unbekannte Tiere sowie Berichte aus den Kriegswirren.

Man hatte jetzt einen „Special Artist“ vor Ort, der im Kriegsgetümmel Szenen zeichnerisch festhielt und an die Redaktionen sandte, die sie dann als Holzstich anfertigen und drucken ließen. Vorher „erfand“ man solche Szenen im Atelier. In Deutschland nannte man sich Bildberichterstatter, man wollte ja nicht als Spezialartist mit Zirkusclowns gleichgestellt werden. Fotografien kamen erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zum Einsatz, in den Anfangstagen hatte man eine zu lange Belichtungszeit, um bewegte Bilder festhalten zu können.

Die hier in der Bücherei ausgestellten Grafiken bestechen durch ihre Detailgetreue. Deutlich kann man sehen, dass sie als Illustration für ein Magazin gedacht waren. Sie sind nicht reine Tierdarstellung, sondern sollen eine Geschichte erzählen, „Action“ und Sensationen widerspiegeln. Kleine komische Tierepisoden bringen einen zum Schmunzeln, während andere Szenen schon fast zu realistisch sind.

Die Illustrationen wurden uns freundlicherweise von Hans Joachim Kürtz zur Verfügung gestellt und sind noch bis zum 12. Juli zu sehen.

 

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