Gwyn Nissen

Gwyn Nissen Chefredakteur

20. April 2022 Nordschleswig / Der Nordschleswiger

Der Vorsitzende Peter Asmussen wurde wieder in den Vorstand des Büchereiverbandes gewählt – hier im Gespräch mit Büchereidirektorin Claudia Knauer (Bildmitte) und Vorstandsmitglied Sabina Wittkopp-Hansen. Foto: Gwyn Nissen

Die positiven Erfahrungen im gemeinsamen Multikulturhaus in Sonderborg führen zu Sondierungen in Hadersleben, wo sich im Kulturzentrum Bispen neue Möglichkeiten auftun.

Das Mitwirken der deutschen Minderheit an einer gemeinsamen Bücherei-Lösung im Multikulturhaus in Sonderburg (Sønderborg) dient jetzt möglicherweise als Grundlage für eine weitere deutsch-dänische Bücherei-Nachbarschaft – diesmal in Hadersleben.

Dies teilte der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig, Peter Asmussen, am Mittwochabend auf der Generalversammlung in der Zentralbücherei in Apenrade (Aabenraa) mit.

„Wir sind in Sonderburg ins Zentrum des öffentlichen Geschehens gerückt – sowohl in der Minderheit als auch in der Mehrheit“, sagt Peter Asmussen.

Zwei Büchereien im Bispen?

Durch den dortigen Erfolg werden derzeit neue Möglichkeiten in Hadersleben untersucht. Möglicherweise soll die Bücherei vom jetzigen Standort am Aastrupvej in das Kulturzentrum Bispen ziehen, wo die dänische Bücherei bereits platziert ist.

Wie in Sonderburg würde die deutsche Bücherei eine eigene Einheit bilden: Ein Eingang – zwei Büchereien.

„Das würde wie dort für mehr Präsenz der Minderheit sorgen“, sagt Peter Asmussen. Noch sei allerdings nichts entschieden – alle Möglichkeiten würden derzeit untersucht, gemeinsam mit dem Bund Deutscher Nordschleswiger sowie der Minderheit vor Ort.

„Die Arbeit unserer Büchereien ist eine Visitenkarte für die Minderheit in Nordschleswig“, sagte Peter Asmussen.

Mit fast 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehört die Generalversammlung des Büchereiverbandes zu den besser besuchten in der Minderheit. Vorher gab es einen Bücherflohmarkt. Foto: Gwyn Nissen

Nachfolge für Bücherbusse

Viel Arbeit steckt der Büchereiverband im Augenblick auch in die Nachfolge der jetzigen Bücherbusse. Peter Asmussen erklärte, dass ein Konzept erarbeitet werden solle, und er sei hoffnungsvoll, dass dem Hauptvorstand des Bundes Deutscher Nordschleswiger bald konkrete Vorschläge gemacht werden könnten.

Büchereidirektorin Claudia Knauer erklärte, dass die Bücherei zwei neue Konzepte ausprobieren werde. Zum einen, eine feste Haltestelle bei SuperBrugsen in Fünenshaff (Fynshav) und Höruphaff (Høruphav), um sich dort sowohl an Zuzügler als auch an die Mehrheitsbevölkerung zu wenden (mit dem Aufkleber „Æ Bücherbus“), und zum anderen feste Haltestellen an deutschen Einrichtungen, zum Beispiel an deutschen Pastoraten.

„Wir sind gespannt, wie es angenommen wird“, sagte Claudia Knauer, die den Bücherbus im Sommer auch auf die Ferieninsel Röm (Rømø) schicken will. Wer nicht zur Haltestelle kommen könne, werde weiterhin persönlich bedient.

Weiterentwicklung des Büchereiverbandes

Überhaupt, so Peter Asmussen, nutze der Büchereiverband viel Energie, um sich weiterzuentwickeln. Dazu gehöre auch die digitale Entwicklung, die eine Schlüsselrolle einnehme.

„Aber stets nur als Ergänzung zu den konventionellen Medien – das Buch wird nicht verschwinden“, versprach der Vorsitzende.

Positive Entwicklung

Auch Claudia Knauer sprach die digitale Entwicklung an. Sie sei mit den Aktivitäten in den Sozialen Medien sehr zufrieden. Via Facebook und Instagram hätte die Bücherei 2021 genau 63.239 Menschen erreicht.

Überhaupt seien die digitalen Zahlen gestiegen, hätten aber den Corona bedingten Rückgang in der physischen Ausleihe nicht auffangen können. Die Ausleihe ging von 193.892 im Jahr 2020 auf 161.016 im vergangenen Jahr zurück. Die Zahl der Besucher ging von 43.134 auf 33.921 zurück.

„In Anbetracht der Tatsache, dass vom 2. Januar bis 20. April die Büchereien geschlossen waren und natürlich auch keine offene Bücherei angeboten wurde, sind das keine schlechten Zahlen“, sagte Claudia Knauer.

Digitales Repertoire

Video-Erzählungen und digitale Veranstaltungen gehörten in den Corona-Jahren zum Repertoire. Peter Asmussen lobte den unerschöpflichen Erfindungsreichtum und die Anpassungsbereitschaft der Bücherei-Mitarbeiter.

Die digitalen Angebote hätten laut Claudia Knauer den positiven Nebeneffekt, dass die Bücherei dadurch auch neue Nutzer erreicht, denn auch die Anzahl der Veranstaltungen sei 2021 gegenüber dem Vorjahr reduziert.

„Die Zahl der Veranstaltungen ist wieder gestiegen, die Zahl der Besucher allerdings gesunken. Wie fast alle kulturellen Einrichtungen erleben wir eine Zurückhaltung bei den Gästen. Die Sorge, sich anzustecken, ist noch nicht gewichen – trotz der Einhaltung aller Regeln. Manche haben es auch quasi ‚verlernt‘ zu Veranstaltungen zu kommen beziehungsweise gestalten ihr Leben anders als vor der Pandemie“, erklärte Claudia Knauer.

Der Vorstand konstituierte sich nach der Generalversammlung wieder mit Peter Asmussen als Vorsitzenden und Marieke Heimburger als neue zweite Vorsitzende. Foto: Gwyn Nissen

Peter Asmussen bleibt Vorsitzender

Bei den Vorstandswahlen kam es zu einer Stichwahl, als sich neben den bisherigen Vorstandsmitgliedern Peter Asmussen und Hannah Bahnsen auch Christa Kath aus Pattburg für die Vorstandsarbeit zur Verfügung stellte.

Bei der schriftlichen Wahl fielen 24 Stimmen auf Peter Asmussen und 26 auf Christa Kath. Hannah Bahnsen schied mit 21 Stimmen aus dem Vorstand aus.

Bei der anschließenden Konstituierung wurde Peter Asmussen als Vorsitzender wiedergewählt und Marieke Heimburger als neue zweite Vorsitzende (bisher Sabina Wittkopp-Hansen) gewählt.

Büchereien im Einsatz für deutsche Sprache und Kultur

Volker Heesch Hauptredaktion 19. August 2021 Apenrade/Aabenraa Zuletzt aktualisiert um: 12:22 Uhr

Bei der Generalversammlung des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig waren rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer anwesend. Foto: Anke Haagensen

Generalversammlung in Apenrade: Peter Asmussen lobt als Vorsitzender des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig die Anpassungsbereitschaft und Kreativität des Personals in der Corona-Pandemie. Die Modernisierung der Bibliotheksarbeit steht weiter auf der Tagesordnung.

Der Vorsitzende des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig, Peter Asmussen, hat dem Personal der Zentralbücherei in Apenrade, den Filialen und den Bücherbussen seiner Organisation „Anpassungsbereitschaft und Kreativität“ in den zurückliegenden Monaten bescheinigt. „Auch in diesem Jahr hieß der Slogan außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen“, sagte Asmussen in seinem Bericht während der Generalversammlung des Verbandes im am Mittwoch im Haus Nordschleswig. Er spielte damit auf die seit der Jahresversammlung vor gut einem Jahr erneut zeitweise wirksamen Betriebseinschränkungen im Zuge der Anti-Corona-Maßnahmen in Dänemark an.

Virtuelle Sitzungen

„Wir haben fünf Vorstandsitzungen abgehalten, davon einige virtuell“, so der Verbandsvorsitzende und berichtete, dass geplant sei, auch in Zukunft teilweise auf Zusammenkünfte am Bildschirm zu setzen, denn das habe eine höhere Präsenz ermöglicht. „Ich bin aber am liebsten persönlich mit den Kolleginnen und Kollegen zusammen“, fügte Asmussen hinzu. Er erläuterte, dass die Modernisierung der Bibliotheksarbeit weiter auf der Tagesordnung stehe. „Wir erweitern virtuelle Angebote und Nutzungen im Netz, aber auch die konventionellen Medien werden nicht verschwinden“, erklärte er.

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren zur Generalversammlung des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig ins Haus Nordschleswig in Apenrade gekommen. Es wurden am Rande der Veranstaltung lebhaft Gespräche geführt. Foto: Volker Heesch

Ziel Exponierung in der Gesellschaft

„Unser Kernauftrag ist die Förderung der deutschen Sprache und Kultur“, sagte Asmussen und ging damit auf die zusammen mit der Geschäftsführung des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) verfolgte Linie ein, Angebote des deutschen Büchereiwesens noch stärker „in der öffentlichen Gesellschaft Nordschleswigs zu exponieren“. Mit dem Einzug der deutschen Bücherei ins Multikulturhaus in Sonderburg sei das bestens gelungen, was auch die Nutzungszahlen belegten. „Ein ähnliches Konzept hat sich in Hadersleben leider zerschlagen“, teilte Asmussen mit und nannte dafür „liegenschaftliche Gründe“.

In Hadersleben bleibt Filiale am aktuellen Standort

„Wir halten an unserer Filiale am Aastruper Weg fest, dort sind wir gut aufgestellt“, erläuterte der Verbandsvorsitzende die Zukunftplanungen in Hadersleben (Haderslev) und lobte die Büchereien als „Visitenkarten der deutschen Minderheit in Nordschleswig“, die im Zentrum der Gesellschaft platziert seien. Asmussen sprach den Vertretern der Schleswigschen Partei seinen Dank aus, die in allen Kommunen die Anliegen der deutschen Büchereien unterstützten. Dabei unterstrich er die Bedeutung der deutschen Einrichtungen, die örtliche Kulturszene zu bereichern: „Wir bedienen unsere Stammkundschaft, aber spielen auch eine Rolle als Förderer der deutschen Sprache und als Kulturvermittler gegenüber der Mehrheitsbevölkerung.“

Die Generalversammlung des Verbandes Deutscher Büchereien Nordschleswig findet am Mittwoch, 22. April 2015, um 19.30 Uhr in der Zentralbücherei in Apenrade statt.

Auf der Tagesordnung steht neben Wahlen und Berichten auch ein Vortrag der Minderheitenbeauftragten des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten. Renate Schnack wird zum Thema „60 Jahre Bonn-Kopenhagener Erklärungen“ sprechen.

Alle Interessierten sind eingeladen!Flattermann