„Hast du uns endlich gefunden?“

Deutschlandfunk

Nein, nicht Annegret fragt das, sondern der Schauspieler Edgar Selge in seinem autobiografischen Roman. Wir befinden uns in der Nachkriegszeit. Der Vater ist nicht nur Gefängnisdirektor, sondern auch begeisterter Amateurmusiker. Die Nachwirkungen des 2. Weltkrieges sind noch nicht verarbeitet, der Rohrstock ist nicht weit.

Aus der Sicht des 12jährigen Edgar erleben wir eine wohlsituierte bürgerliche Familie in den 60er Jahren, deren Fassade tiefe Risse zeigt. Zwei der Söhne sterben, die Trauer der Eltern ist zum Greifen.

Gekonnt beschreibt Selge die Denkweise des Jungen, in einer differenzierten, klaren Sprache, nie fühlt es sich gekünstelt an.

Mit 73 Jahren gibt der Schauspieler Selge sein Autorendebüt. In der Pandemie-Zeit setzt er sich hin und schreibt über seine Kindheit. Und kommt heute, als gestandener Mann, zum Fazit:

„Die Klarheit dieses Tageslichts fragt mich durch die Fensterscheiben: Warum schämst du dich? Die Pandemie hält die Zeit an, damit ich ausspreche, was mir so schwer auf die Zunge will. (…) Mensch, Edgar, sag, was los ist! Meine Liebe zu meinem Vater. Das ist es, was los ist. (…) Ich will nicht einer sein, der den liebt, der ihn schlägt.“

Eine Familiengeschichte, die unbedingt lesenswert ist, urteilt Annegret, und ist ein klein wenig an Meyerhoff erinnert. Der Deutschlandfunk gibt auch Bestnoten.

Habt ihr schon einmal versucht zu dörren? Diese altüberlieferte Methode der Lebensmittelkonservierung erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Wer ein Dörrgerät sein eigen nennt, kann von Apfelringen über Müsliriegeln bis Hundesnacks so gut wie alles trocknen und haltbar machen.

Dörren und Trocknen für Einsteiger : über 100 herzhafte und süße Rezepte, um Lebensmittel haltbar zu machen“ von Elisabeth Engler

Auch wenn der Meerrettich in Annegret Familie mit Schwimmbrille geraspelt und getrocknet wurde, entstand ein köstliches Meerrettich-Pulver, ebenso zu empfehlen wie Gemüsebrühe. Und wer einmal eigenes Paprikapulver hergestellt hat, wird niemlas mehr auf gekauftes zurückgreifen.

Wer kennt sie nicht, die guten Vorsätze zum Jahresbeginn? Dieses Jahr werde ich Marathon laufen, Model-Maße annehmen und mich nur noch von Möhren ernähren! (oder so….)

Die meisten Vorsätze verschwinden schneller, als einem lieb ist. Und hier kommt Ankes Tipp ins Spiel.

„7 Minuten am Tag – endlich gesünder leben“ von Dr. med. Franziska Rubin hat sie überzeugt. Wenn man sich vornimmt, an jedem Tag 7 Minuten für eine verbesserte körperliche und seelische Gesundheit zu investieren, dann ist es überschaubar und im täglichen Stress machbar.

„7 Minuten“ ist ein Praxisbuch, das man von vorne bis hinten durchlesen kann, man kann sich aber auch die in die momentane Lebenssituation passende Anregung heraussuchen.

Anke hat das „Im-Nullkommanix-Brot“ ausprobiert. „Wenig Aufwand, gesunde Zutaten – schmeckt fantastisch!“ so ihr Fazit. Und wenn man möchte, kann man es nach Bedarf abändern.

Gesunde Ernährung, Bewegung und Entspannung, Stressmanagement und soziales Miteinander. Jeder kann 7 Minuten am Tag absehen, um an seinem körperlichen und seelischen Wohlbefinden zu arbeiten.

Probiert es aus!

Über Menschen: Roman : Zeh, Juli: Amazon.de: Bücher

An Juli Zeh kommt man nicht vorbei, findet Monika, und empfiehlt uns den neuesten Roman der Autorin.

„Über Menschen“ steht seit seinem Erscheinen im März 2021 in der 46. Woche auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Auch in der Bücherei ist er selten anzutreffen, da ständig ausgeliehen.

„Über Menschen“ ist aktuell, spielt in dieser Corona-Zeit. Dora hat vor der Pandemie in Berlin in einer Werbeagentur gearbeitet. Sie trennt sich von ihrem Freund und zieht nach Bracken in Prignitz.

„Dora ist kein typischer Großstadtflüchtling. Sie ist nicht hergekommen, um sich mithilfe von Biotomaten zu entschleunigen.“ Kurz und knapp charakterisiert Juli Zeh ihre Figuren.

Am Gartenzaun treffen sich die Nachbarn, der Dorfnazi und die Stadtpflanze. Klischee oder Idylle? Juli Zeh überrascht mit neuen Wendungen, lässt die Klischees nach und nach verschwinden.

Während es im Vorgänger-Roman „Unter Leuten“ ein Kaleidoskop an Figuren gab und Zeh multiperpektivisch erzählte, geht es hier um Dora und den kleinen Dorfkosmos.

„Miteinander reden statt übereinander reden“, das ist einer der Leitsätze, die Monika aus dem Roman mitgenommen hat.

Und der Titel? Heißt er „Über Menschen“? Oder etwa „Übermenschen“?

Monika ist auf jeden Fall begeistert von diesem Buch „einfach topp!“, so ihr Urteil. Das findet auch die Zeit in ihrem Artikel und titelt „Hart, aber herzlich“.

Ursula hat einen neuen Autoren für sich entdeckt, den sie allen mit Nachdruck ans Herz legt:

Sylvain Tesson. Noch nie gehört? Tesson ist ein französischer Reisejournalist, der an mehreren wissenschaftlichen Expeditionen teilgenommen und seine Erlebnisse und Erfahrungen in Buchform festgehalten hat.

Der Schneeleopard eBook : Tesson, Sylvain, Denis, Nicola: Amazon.de:  Kindle-Shop

Mit seinem Buch „Der Schneeleopard“ ist er in kürzester Zeit auf den Bestseller-Listen gelandet. Der Journalist begleitet eine kleine Expedition in die Höhen Himalayas, die den seltenen Schneeleoparden fotografieren wollen. Es ist eine strapaziöse Reise in die weiße Stille. Tesson taucht ein in eine meditaiv-esoterische Gedankenwelt. Er beschreibt die Strapazen der beschwerlichen Reise im unzugänglichen Gebirge, die genauso schwer für ihn sind wie die langen Stunden des geduldigen Wartens auf den Schneeleoparden. Er muss mühsam das Warten erlernen, das Ertragen von Gedanken, von Stille, vom Nichtstun. Dabei denkt er über Familie, über Gott und Religion nach.

Zwischen Fels und Eis: Auf den Spuren der letzten Schneeleoparden in Tibet  | Knesebeck Verlag

Gleichzeitig erfreut er sich immer wieder an den positiven Erlebnissen und schreibt mit einer humoristischen Distanzierheit, die das Buch nicht ohne Grund zu einem Lesevergnügen macht.

Wer den „Schneeleoparden“ in die Hand nimmt, sollte sich den dazugehörigen Bildband gönnen, in dem die Früchte der langen, geduldigen Reise zu sehen sind.

„Zwischen Fels und Eis : auf den Spuren der letzten Schneeleoparden in Tibet“ von Vincent Munier und Sylvain Tesson.

Auf versunkenen Wegen - Sylvain Tesson - Buch kaufen | Ex Libris

„Auf versunkenen Wegen“ ist ein weiteres Reisebuch von Tesson. Der Journalist nimmt uns mit durch ein Frankreich abseits der großen Straßen. Auf in Vergessenheit geratenen Trampelpfaden wandert Tesson vier Monate lang durch Frankreich und entdeckt ein wunderschönes Land. Ausgangspunkt war für ihn ein schwerer Unfall, bei dem er schwerverletzt überlebt und eine Gesichtslähmung beibehält. Statt in die Reha zu gehen, wandert er 1000 km von Ost nach West durch Frankreich, sucht sich die entlegenen Wege auf alten Geländekarten, klettert über Weidezäune, campiert alleine und gesundet auf diesem langen Weg.

In den Wäldern Sibiriens Buch bei Weltbild.ch online bestellen

„In den Wäldern Sibiriens“ folgen wir Tesson in die Einsamkeit. Nach Jahren des Extremreisens, nach der ewigen Suche nach dem neuen Kick, startet Tesson einen Selbstversuch. 6 Monate will er in der Einsamkeit aushalten, eine kleine Hütte am Baikalsee ist sein Ziel. Extreme Kälte im Winter, nur wilde Tiere in der Nachbarschaft, die nächste Zivilisation eine tagelange Reise entfernt.

„Wer hier freiwillig lebt, muss ziemlich verliebt sein. „Es ist das Paradies“, sagt Sylvain Tesson. „Es ist ein guter Ort, um sich umzubringen“, sagt ein Freund, der ihn in der Wildnis absetzt.“ so zitiert die Süddeutsche in ihrem Artikel.

Wer jetzt neugierig geworden ist, findet alle genannten Büchern in unseren Büchereien.

Seid ihr neugierig, was die Chefin so liest?

Durch Zufall fiel Claudia das Buch „Daheim“ von Judith Hermann in die Hände. Neugierig geworden, nahm sie es mit in die Weihnachtsferien und wurde überrascht. Das Buch ist in der Presse hochgelobt, der Deutschlandfunk tituliert: „Neubeginn am Schweinestall“ .

Aber auf den kürzesten Nenner „Frau wagt Neuanfang in Haus an Küste“ mag sich Claudia nicht beschränken. Ihr gefiel die Sprache der Autorin, die skurrilen Figuren, die Bilder, die das Buch im Kopf entstehen ließ. Kein Buch, das man in einem Zug durchliest, sondern in Happen zu geniessen, so empfand sie die Lektüre, die sie nicht mehr losließ.

Die Erzählerin spielt mit Bildern, das „Zuklappen“ kommt zum Beispiel durchgehend im Buch vor. So bei der Marderfalle, die sie beim Nachbarn Arild ausleiht (fängt sie den Marder eigentlich jemals?), so bei der Kneipe, die „Shell“ / Muschel heißt, so beim Kühlschrank, der aufklappt.

Lange kann man sich mit dem Buch beschäftigen, und auch Claudia musste beim Abgeben des Buches das Ende noch einmal lesen. „Unbedingt lesenswert!“ so ihr Urteil.

Ganz anders ist das zweite Buch, das sonntäglich hervorgeholt wird. Claudia liest jeden Sonntag 2 Gesänge aus der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri. „Wenn ich in dem Tempo weitermache, bin ich in 2 Jahren fertig“, schmunzelt Claudia. Der Text hat eine enorme Wirkung auf sie, auch wenn sie vieles vom historischen Zusammenhang nicht versteht. Ihr Exemplar ist ein kleines, handliches Taschenbuch mit Anmerkungen. Claudia findet es spannend, sich auf eine andere Zeit und eine andere Sprache einzustellen, das Gehirn auf den Text umzupolen. Mittlerweile ist sie der Hölle entronnen und im Fegefeuer gelandet.

Dieses sonntägliche Ritual kann sie nur empfehlen, es ist sowohl sprachlich wie inhaltlich bereichernd.

Dante in einem Gemälde von Domenico di Michelino aus dem Jahr 1465
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/goettliche-komoedie-der-fall-dante-soll-neu-aufgerollt-werden-17176417.html

Ingela hat sich Gedanken gemacht, was ihr letztes Jahr besonders gefallen hat. Vielseitig präsentiert sie ihre Highlights aus den Bereichen Zeitschrift, Büchern, DVDs und Hörbüchern.

Habt ihr schon von der neuen Zeitschrift „andersLeben“ gehört? Hier geht es um Nachhaltigkeit, um alternative Lebensformen, um Wurzeln suchen und Zukunft finden. „Hochwertig und informativ“, so Ingelas Urteil.

Tod von Freunden (TV Mini Series 2021– ) - IMDb

Die Miniserie „Tod von Freunden„, die Anfang Januar 2021 im ZDF erstausgestrahlt wurde und jetzt als 3er DVD in der Bücherei erhältlich ist, kann sie nur empfehlen. Schauplatz dieser Krimiserie sind die Ochseninseln, Flensburg und Dänemark, gesprochen wird Deutsch und Dänisch. Sehr angenehm: die dänische Sprache wurde nicht synchronisiert, sondern mit Untertiteln versehen.

Zwei Familien leben auf den Ochseninseln. Eines Tages verschwindet eines der Kinder. Der Vermisstenfall wird aus 4 verschiedenen Perspektiven beleuchtet. In unmittelbarer Nachbarschaft gedreht, das macht die Serie besonders interessant, findet Ingela.

Der Gesang der Flußkrebse“ von Delia Owens, das bereits im Jahre 2019 in Deutschland erschienen ist, wurde im November im Apenrader Lesekreis aufgegriffen. In den USA ein Bestseller, wurde das Buch auch hier ein Dauerbrenner. Es spielt in den 50er Jahren in den Marschlanden North Carolinas. Dort lebt Kya in Armut und auf sich alleingestellt in einer alten Fischerhütte. Schon sehr früh löst sich ihre Familie auf und lässt die kleine Kya zurück, die lernt, in der Natur zu überleben. Delia Owens hat eine starke Protagonistin geschaffen, die in der barschen Umgebung nicht nur überlebt, sondern sich auch in eine starke, empathische Frau entwickelt. Die zweite Stärke des Buches liegt in den zauberhaften Naturbeschreibungen des Marschenlandes. Eine Rezension des Spiegels findet ihr hier.

Böses Blut: Cormoran Strike 5

Als Hörbuch-Empfehlung hat Ingela Robert Galbraiths neuestes Buch „Böses Blut“, hervorragend gelesen von Dietmar Wunder, herausgesucht. Der 5. Fall in der „Cormoran Strike“ Reihe fasziniert genauso wie die Vorgänger, auch wenn die Gesamtspieldauer von 32 Stunden einen doch erst einmal schlucken lassen. Aber die unter Pseudonym schreibende J.K. Rowling hat nicht erst in den Harry Potter Büchern bewiesen, dass sie auch in Büchern großen Umfangs zu fesseln weiss. Cormoran Strike wird beauftragt, einen Vermisstenfall aus dem Jahre 1974 aufzuklären. Die Tochter von Margeret Bamborough ist nie über das mysteriöse Verschwinden ihrer Mutter hinweg gekommen. Auch auf persönlicher Ebene haben er und seine Partnerin Robin zu kämpfen, während sie durch eine unangenehme Scheidung geht, muss Strike von seiner geliebten sterbenden Ziehtante in Cornwall Abschied nehmen.

Ich bin ja neugierig: was hat meinen Kolleginnen und Kollegen letztes Jahr besonders gefallen? Gibt es Highlights im Buch-, Film- oder Musikbereich? Lasst euch überraschen von ihren Antworten – vielleicht ist ja für euch auch etwas dabei.

Den Anfang macht Ira aus der Zentralbücherei Apenrade. Sie ist eine ausgesprochene Vielleserin und man geht nie vergebens zu ihr, wenn man neue Anregungen braucht. Sie hat verwandschaftliche Wurzeln in Belarus, deshalb hat sie die Lockdown-Zeit genutzt, sich näher mit Land und Autoren zu befassen.

Zum Einstieg empfiehlt sie folgende Bücher, die ihr besonders gefallen haben und bei uns im Bestand sind:

Die Frauen von Belarus

Die Frauen von Belarus“ von Alice Bota. Der Untertitel „Von Revolution, Mut und dem Drang nach Freiheit“ sagt fast alles: am Beispiel der drei maßgeblichen Protagonistinnen erzählt die Autorin vom friedlichen Aufstand gegen ein brutales Regime.

Die weißen Tage von Minsk“ von Vitali Alekseenok. Der Dirigent Vitali Alekseenok hat eine Heimat in Deutschland gefunden, fährt aber zur Wahl zurück nach Minsk. Dort wird er Zeuge der Protestbewegung gegen das Gewaltregime von Lukaschenko. In diesem persönlichen Bericht gibt er uns Einblicke in Land und Leute.

Der ehemalige Sohn by Sasha Filipenko

Der ehemalige Sohn“ von Sasha Filipenko. Der Autor, 1984 in Minsk geboren, ist für Irina eine Neuentdeckung. Auch er setzt sich mit den Gegebenheiten in Belarus auseinander. Seine Hauptfigur, der junge Franzisk, fällt nach einem Unfall ins Koma und erwacht erst 10 Jahre später, nachdem die meisten seiner Freunde und Angehörige die Hoffnung aufgegeben haben. Franzisk als Allegorie? Der Bayrische Rundfunk hat dazu eine detaillierte Analyse geschrieben.

In der Corona Lockdown-Zeit war nicht nur Zeit zu lesen, Irinas Familie hat auch ausgiebig Serien gesehen. Hervorheben möchte sie:

  • Maid – in der Hauptrolle eine überzeugende Margaret Qualley, Tochter von Andie Mac Dowell. Alex flieht aus einer gewalttätigen Beziehung und versucht ihre Tochter und sich mit Reinigungsjobs über Wasser zu halten, ohne ganz ihre Träume aufgeben zu müssen.
  • Squid Game – ein Tipp von Irinas Tochter, die ein großer Korea-Fan ist. Eine spannende, nicht unumstrittene Serie, bei der die Teilnehmer eines Wettbewerbes nicht nur um Preisgeld, sondern auch um ihr Leben kämpfen.
  • Springflut – eine spannende Krimiserie aus Schweden, eine Verfilmung der Bücher von Cilla und Rolf Börjlind
  • Yellowstone – mit Kevin Costner. Eine spannende Serie über die Dutton-Familie, die als Rinderzüchter in Montana ums Bestehen ihrer Farm kämpfen müssen. Gerade die Problematik des Umgangs mit den Natives wird hier gut wiedergegeben.