1946 zog der Vater von Heidrun Schaller mit seiner Familie nach St. Petersburg, um als Diplom Ingenieur an der Entwicklung von Torpedos mitzuarbeiten. Die 3jährige Heidrun fühlte sich dort wohl, sprach russisch und ging dort vier Jahre in die Schule. Doch nach dem Tod Stalins zog die Familie zurück, erst nach Ostberlin, flüchteten dann nach Köln.

Die Eltern zeigten kein Verständnis dafür, dass sich die Elfjährige nicht nahtlos in die streng geführte Klosterschule einlebte. Zur Strafe wurde sie erst vom Gymnasium genommen, dann mit 14 Jahren in die Lehre geschickt, ohne auf die Ausbildungswünsche der Tochter einzugehen.

All diese Erfahrungen haben die heute 78jährige Glückstädterin geprägt. Ihr ganzes Leben hat sie den Kindern gewidmet. Sie mahnt:“ Kinder in ihrer Not nicht alleine lassen!“

Heidrun Schaller kommt am Freitag, 26. August, um 16 Uhr in die Bücherei Tingleff und erzählt aus ihrem Leben.

Die Veranstaltung ist kostenlos, um Anmeldung wird gebeten.

„Hast du uns endlich gefunden?“

Deutschlandfunk

Nein, nicht Annegret fragt das, sondern der Schauspieler Edgar Selge in seinem autobiografischen Roman. Wir befinden uns in der Nachkriegszeit. Der Vater ist nicht nur Gefängnisdirektor, sondern auch begeisterter Amateurmusiker. Die Nachwirkungen des 2. Weltkrieges sind noch nicht verarbeitet, der Rohrstock ist nicht weit.

Aus der Sicht des 12jährigen Edgar erleben wir eine wohlsituierte bürgerliche Familie in den 60er Jahren, deren Fassade tiefe Risse zeigt. Zwei der Söhne sterben, die Trauer der Eltern ist zum Greifen.

Gekonnt beschreibt Selge die Denkweise des Jungen, in einer differenzierten, klaren Sprache, nie fühlt es sich gekünstelt an.

Mit 73 Jahren gibt der Schauspieler Selge sein Autorendebüt. In der Pandemie-Zeit setzt er sich hin und schreibt über seine Kindheit. Und kommt heute, als gestandener Mann, zum Fazit:

„Die Klarheit dieses Tageslichts fragt mich durch die Fensterscheiben: Warum schämst du dich? Die Pandemie hält die Zeit an, damit ich ausspreche, was mir so schwer auf die Zunge will. (…) Mensch, Edgar, sag, was los ist! Meine Liebe zu meinem Vater. Das ist es, was los ist. (…) Ich will nicht einer sein, der den liebt, der ihn schlägt.“

Eine Familiengeschichte, die unbedingt lesenswert ist, urteilt Annegret, und ist ein klein wenig an Meyerhoff erinnert. Der Deutschlandfunk gibt auch Bestnoten.

Habt ihr schon einmal versucht zu dörren? Diese altüberlieferte Methode der Lebensmittelkonservierung erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Wer ein Dörrgerät sein eigen nennt, kann von Apfelringen über Müsliriegeln bis Hundesnacks so gut wie alles trocknen und haltbar machen.

Dörren und Trocknen für Einsteiger : über 100 herzhafte und süße Rezepte, um Lebensmittel haltbar zu machen“ von Elisabeth Engler

Auch wenn der Meerrettich in Annegret Familie mit Schwimmbrille geraspelt und getrocknet wurde, entstand ein köstliches Meerrettich-Pulver, ebenso zu empfehlen wie Gemüsebrühe. Und wer einmal eigenes Paprikapulver hergestellt hat, wird niemlas mehr auf gekauftes zurückgreifen.

„Lasst uns ein Erzählcafé anbieten, bei dem unsere älteren Mitbürger aus ihrer Vergangenheit erzählen können, gerade im Hinblick auf das kommende Jubiläumsjahr 2020,“ so der Vorschlag unserer Pastoren Astrid und Ole Cramer.

Gemütlich bei Käse und Wein zusammensitzen und miteinander plaudern, in der Erinnerungskiste stöbern und fast Vergessenes weitergeben, so die Idee – und BDN, Sozialdienst und Bücherei in Tingleff waren gerne mit dabei und halfen.

Rund 20 Besucher hatte der Abend, „ein Erfolg“, so die Cramers, wusste man doch nicht, ob diese Art von Miteinander Interesse finden würde.

Tat es. Wer nicht mobil war, konnte einen freiwilligen Fahrdienst anfordern und so am Abend teilnehmen.

Mit Gitarrenklängen und gemeinsamen Lied sowie ausgewählten Anekdoten aus der Tingleffer Chronik leitete Ole Cramer den Abend ein. Fotos von damals, vom alten Tingleff, von Griffel, Schiefertafel, Waschzuber und eisernem Bügeleisen brachten an den einzelnen Tischen die Gespräche in Gang.

„Schau mal!“ Eine 92jährige Dame kramte in ihrer Tasche und beförderte ein Schwarz-Weiß-Foto ans Tageslicht. „Das war unsere kleine Ponykutsche. Wir sieben Geschwister sind damals jeden Tag damit in die Schule gefahren. 3 Pferde standen vor der Schule. Unser kleines Pferd wollte immer nur nach links laufen, das war fürchterlich!“

„Kannst du dich noch an den Lockenbrennstab erinnern?“ „Meine Oma sagte, man riecht es schon, wenn man die Haare zu lange damit gebrannt hat.“

„Das da auf dem Foto ist doch das Haus von XX, da war ich damals in Stellung. Das ist längst abgerissen, aber der Baum steht noch. “

So ging es munter an den Tischen vor sich, die Zeit verging viel zu schnell.

Der nächste Termin ist schon festgesetzt: Montag, 18.11., trifft man sich wieder um 19 Uhr. Alle sind herzlich willkommen.

Viele, viele Stunden verbrachte ich als Kind in der Gemeindebücherei, damals noch im schummrigen Keller unter der Sporthalle gelegen. Bergeweise Bücher habe ich dort Woche für Woche abgeschleppt, die Regel mit „Nur 3 Bücher pro Mal“ wurde bei mir gelockert. Ich las wahllos alle Bücher in der Kinderabteilung, nur, damit ich nie ohne Buch war. Manche Bücher hinterließen einen größeren Eindruck als andere. In den Genuß dieser Klassiker, insbesondere der Astrid Lindgren Bücher, kamen dann auch meine Kinder, denen ich jeden Abend vorlies. „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende öffnete die Tür zur fantastischen Literatur und beeindruckte durch die Verschmelzung von Inhalt und Aufmachung des Buches.

Die „Zeit“ hat in einem Artikel bekannte Deutsche gefragt, welches Kinderbuch bei ihnen einen großen Eindruck hinterlassen hat und was sie daraus gelernt haben.

Lindgren, Kästner und Ende sind mit dabei, aber lest selbst den Artikel.

Und wie sieht es bei euch aus? Welches Buch war euer Lieblingsbuch in Kindertagen?

 

Frisch eingetroffen, eingearbeitet und für euch zum Ausleihen bereit.

Denkt daran, ihr müsst jetzt keine PIN mehr eingeben, um die Offene Bücherei zu benutzen,

die Krankenversicherungskarte ist ausreichend, täglich von 7-22 Uhr 🙂

Ingela Wieking, Bibliothekarin in der Zentralbücherei Apenrade, hat die Artothek und die Hör-CDs unter ihren Fittichen. Auch bei zwei Lesekreisen ist sie treibende Kraft.

Offen für Neues probiert Ingela gerne die neuen Hör-CDs aus. Zsuzsa Bánk ist ein Geheimtipp, den sie uns ans Herz legen möchte. 

„Schlafen werden wir später“ ist der neueste Roman der deutschen Autorin ungarischer Abstammung. Die Briefromane des 18. Jahrhunderts zugrundelegend folgen wir dem (E-Mail) Austausch zweier Freundinnen, die beide in der Mitte des Lebens stehen, die eine verheiratet, drei Kinder, Schriftstellerin, die andere Lehrerin und kinderlos. Über mehrere Jahre hinweg folgen wir der tiefen Freundschaft der beiden Frauen, hören von ihren Lebensträumen, ihrem täglichen Kampf um Freiheit und Glück, ihrer Verwirklichung als Schriftstellerinnen – die Uhr tickt, „schlafen werden wir später“…..

Das Buch zeichnet sich durch die prosaische Sprache aus, melodisch, bildreich verbinden sich die Wörter.

Ein weiteres Buch dieser Autorin „Die hellen Tage“ nimmt uns mit in die Vergangenheit. Süddeutschland in den 60er Jahren. Wieder geht es um eine Freundschaft, diesmal zwischen der vaterlosen Seri, dem Zirkusmädchen Aja und dem introvertierten Karl. Es ist ein magisches Buch über glückliche Kindheitstage, aber auch über Erwachsensein und die Verluste, die jeder von ihnen erlitten hat und die ihr Leben beeinflussen. Die „Zeit“ ist begeistert von der Sprache, von „erzählerischen Paradiesmomenten“ ist die Rede.

Beide Bücher finden sich auch als Hörbücher, die überzeugend von Doris Wolters bzw. Ulrike Hübschmann gelesen werden.

Themen wie Frauen und Freundschaft, gerne in der Gegenwart oder näheren Vergangenheit, anspruchsvoll oder auch unterhaltend, bevorzugt Ingela in ihrer Auswahl.

„Dein perfektes Jahr“ von Charlotte Lucas gehört zu letzterem, ein Hörbuch fürs Herz, das ihr gerade durch die Lesung mit zwei Sprechern (Anna Thalbach, Devid Striesow) in verteilten Rollen gut gefiel. Hannah freut sich auf ein gemeinsames Leben mit Simon. Dieser erkrankt jedoch schwer. Um ihn aufzumuntern, schenkt Hannah ihm einen Kalender mit lauter positiven, lebensbekräftenden Alltäglichkeiten. Dieser Kalender fällt Jonathan Grief in die Hände….  Man hofft und leidet mit den Hauptfiguren.

Entscheidend für ein gelungenes Hörbuch sind, so Ingela, professionelle Sprecher oder Schauspieler, die gut zur Geschichte passen und den Inhalt überzeugend vermitteln können. Zu ihren Lieblingssprechern gehören Hannelore Hoger und Gert Westphal.

2014 bekam Patrick Modiano den Literaturnobelpreis. An sein Buch „Im Café der verlorenen Jugend“ hat sich Ingela vor kurzem gewagt und war positiv überrascht über den flüssigen, gut lesbaren Schreibstil des Autors. Wir sind im Paris der 60er Jahre, im Café Le Condé finden ruhelose Seelen eine Zuflucht und Halt. Mondiano schafft es, die Atmosphäre Paris zu vermitteln, man sitzt im Café und hört den Leuten zu, erfährt mehr über ihr Leben, ihre Hoffnungen und Sehnsüchte. Eine melancholisch-tragische Stimmung liegt in der Luft. Rätselhaft die Hauptfigur Jacqueline, die ihren Mann nach nur einem Jahr Ehe verlässt und spurlos untertaucht. Mondiano vermag, die vergangenen Zeiten der Studenten und Künstler im Viertel Saint-Germain-des-Près heraufzubeschwören. Ein Meistererzähler, so titelt der „Spiegel“, leider hierzulande noch zu wenig bekannt.

 

 

 

Melody Browne entkommt mit neun Jahren nur knapp dem Feuertod. Dieser Schock löst einen Gedächtnisschwund aus: alles, was bisher in ihrem Leben geschah, ist wie ausgelöscht.

Jahre später lebt sie, immer noch ohne Vergangenheit, in London. Sie ist frühzeitig Mutter geworden und wohnt glücklich mit ihrem fast volljährigem Sohn  zusammen. Als sie sich zum ersten Mal nach langer Zeit wieder auf eine Verabredung mit einem Mann einlässt, passiert etwas, das ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Schemenhaft tauchen Erinnerungsfetzen auf, die sie nur nach und nach zuordnen kann.

Melody begibt sich auf die Suche nach ihrer Kindheit….

(Lisa Jewell: „Und doch flüstert leise das Glück“)

Ein warmherziger Wohlfühlroman mit einer Prise Romantik, genau das Richtige bei diesem Schmuddelwetter für einen Kuscheltag auf dem Sofa!

Jewell Und doch flüstert