Land und Leute, Sprache, Kultur und Literatur – nach 6 Jahren in Norwegen ist Annegret aus der Bücherei Hadersleben immer noch fasziniert von unserem Nachbarn im Norden.

Jostein Gaarder mit Übersetzerin Nann Moldskred, Flensburg 23.07.2019 ©mpote

Dass das Land neben Fjorden und Fischen auch literarisch etwas zu bieten hat, beweist die Frankfurter Buchmesse, die dieses Jahr Norwegen als Gastland gewählt hat. Hier kann man viele der norwegischen Autoren und Autorinnen treffen. Wem der Weg nach Frankfurt zu weit ist, besucht den Literatursommer in Schleswig-Holstein, auch hier liegt dieses Jahr der Schwerpunkt auf Norwegen.

Jostein Gaarder ist hierzulande einer der bekanntesten norwegischen Autoren, seit er mit „Sofies Welt – Roman über die Geschichte der Philosophie“ aus dem Jahre 1991 einen Welterfolg schrieb. Über 40 Millionen weltweite verkaufte Exemplare eines Jugendbuches, das quasi durch die Hintertür einen Einblick in die Geschichte der Philosophie gibt.

Der ehemalige Lehrer und Dozent (1952 in Oslo geboren), der Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaft studiert hat, schreibt vorzugsweise für Kinder und Jugendliche. Sein großes Interesse an philosophischen Fragen lässt sich nicht verleugnen.

Annegret hebt das Buch „Das Orangenmädchen“ hervor, das im Jahre 2003 erschien und mittlerweile auch verfilmt ist. Der 15jährige Georg findet an ihn gerichtete Briefe, die sein Vater ihm vor Jahren kurz vor seinem Tod geschrieben hat. Sein Vater schreibt  von seiner Suche nach dem Orangenmädchen und greift gleichzeitig dialogisch die existenziellen Fragen auf, die seinen Sohn (und damit den Leser) zum Nachdenken bringen sollen.

Das Leben ist kurz für alle, die wirklich begreifen können, dass die Welt eines Tages definitiv ein Ende nimmt.
Aber nicht alle können erfassen, was es wirklich heißt, irgendwann für alle Ewigkeit fort zu sein.
Es gibt so viel, was diese Erkenntnis erschwert, Stunde für Stunde, Minute für Minute.

(aus „Das Orangenmädchen“ von Jostein Gaarder)

Jostein Gaarder signiert © mpote

Zur Auftaktveranstaltung des Literatursommers las Jostein Gaarder aus seinem neusten Buch „Genau richtig“, das in Kürze in Hadersleben zu erhalten ist. Mit kraftvoller Stimme, voller Temperament und auf singendem Norwegisch begeisterte Gaarder bei der Lesung das Publikum, das sich durch das Klangerlebnis faszinieren ließ und den Inhalt erst durch die deutsche Übersetzung, gelesen von Christian Kämpfer, verstand.

Zeit für ein Autogramm und einer persönlichen Widmung in das von ihren Kindern geliebte „Weihnachtsgeheimnis“ blieb im Anschluß an die Lesung.

Besonders hervorheben möchte Annegret die wunderbaren Übersetzungen durch Gabriele Haefs, deren Verdienst es ist, dass das deutsche Publikum einen Einblick in die norwegische Literatur nehmen darf.

 

Soll es einmal nicht Norwegen sein, greift Annegret gerne zu Biografien. Joachim Meyerhoffs vierbändige Biografie, die auszugsweise durch seine Mutter bei einer Veranstaltung in der Bücherei Sonderburg vorgestellt wurde, hat sie gerne gelesen, sind wir doch in einem Band in Schleswig unterwegs. Auch Christian Berkel „Der Apfelbaum“ ist lesenswert, so Annegret.

Christian Berkel: "Der Apfelbaum" (Cover) © Ullstein

Der Schauspieler Berkel hat in seinem Buch das Leben seiner jüdischen Mutter aufgeschrieben, die unter den Verfolgungen in der Nazi-Zeit zu leiden hatte und über Frankreich nach Argentinien emigrierte. Gründliche Recherchen supplieren die Erinnerungen der Mutter und lassen Vergessenes ans Tageslicht kommen. „Eine Liebeserklärung an seine Mutter“ so bezeichnete Berkel seinen Roman. Ein Interview des NDR mit Berkel ist hier nachzulesen und zu hören.

© Illustration: Regina Kehn

 

Rieke Patwardhans Kinderbuch „Forschungsgruppe Erbsensuppe“ möchte sie hervorheben. Ganz neu auf dem Buchmarkt verbindet dieses Kinderbuch Detektivgeschichte und Kinderbande mit der aktuellen und damaligen Flüchtlingssituation. Die Großmutter von Nils fängt in letzter Zeit an, Erbsensuppe zu horten und Koffer zu packen. Was ist da los? Wie gut, dass mit Lina aus Syrien ein Mädchen mit detektivischem Spürsinn neu in die Klasse kommt. Zusammen mit Evi bilden sie die „Forschungsgruppe Erbsensuppe“, die dem Geheimnis auf die Spur kommen will.

Blåhøj, Løjt Land © mpote

Um einen Ausflugstipp in die nähere Umgebung (NICHT Norwegen!)  ist sie nicht verlegen. Blåhøj – einer der höchsten Punkte auf Løjt Land ist einen Besuch Wert. Von weitem sieht der Hügel („Klein sind deine Berge“) nicht beeindruckend aus. Fast fährt man vorbei, wenn man den Skrevenstenvej entlangkommt. Ein kleiner Trampelpfad am Feldesrand führ zur Hügelkuppe, von der man einen wunderschönen Blick über Løjt Land, Barsø bis Alsen hat.

Aussicht über Løjt Land ©mpote

 

Der Sage nach kann man des Nachts den kopflosen Pastor sehen, der wegen Landesverräterei hier hingerichtet wurde.

 

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Norwegen – Ein Spaziergänger macht einen grausigen Fund im Wald. Ein kleines Mädchen hängt engelsgleich an einem Baum, um ihren Hals ein Schild: Ich reise allein…

Eine Sonderkommission wird eingerichtet. Kommissar Lund an der Spitze bedingt sich aus, seine Mannschaft selber zusammen zu stellen. Er will seine Kollegin Mia Krüger an Bord haben, die sich nach einer tödlich ausgehenden Schießerei in ein kleines Haus auf der Insel Hitra zurückgezogen hat. Sie ist labil und depressiv, vertreibt ihren Schmerz und Trauer mit Alkohol und Pillen.

Nur unwillig geht sie darauf ein, sich mit dem Fall zu beschäftigen und entdeckt beim Durchgang der Tatortfotos Details, die den anderen entgangen sind. Details, die darauf schließen lassen, dass es nicht bei dem einen Mord bleibt.

Ein dunkler, unglaublich spannender Thriller, den man in einem Ruck durchliest.

Hinter dem Pseudonym Samuel Bjørk verbirgt sich der norwegische Autor, Dramtiker und Songwriter Frode Sander Øien, der Bühnenstücke, Songs und zwei Romane geschrieben hat.

„Engelskalt“ oder auf Norwegisch „Es hängt ein Engel allein im Wald“ ist sein erster Thriller mit dem Ermittlerpaar Lund und Krüger. Die Kritiker loben den Autor, Vergleiche zu Stieg Larsson und Jo Nesbø werden gezogen.

Der zweite Band „Uglen“ ist bereits auf Norwegisch erschienen.

Sehr empfehlenswert!

für die Urlaubslektüre ist gesorgt. Neu bei uns im Regal und fertig zur Ausleihe:

Ferienlektüre

Samuel Bjørk: Engelskalt

Norwegen: Zwei kleine tote Mädchen in Puppenkleidern erschrecken die Öffentlichkeit. Kommissar Holger Munch soll die Ermittlungen leiten und sichert sich dazu auch unkonventionelle Hilfe. Denn schon kurz darauf werden die nächsten zwei Mädchen gefunden und auch Munchs Enkelin ist in Gefahr…

Ein spannender Norwegen-Krimi im Stile von Stieg Larsson, Lars Kepler…

Lucy Clarke: Der Sommer,in dem es zu schneien begann

Zwei Jahre waren Eva und ihr Mann Jackson zusammen, bevor er unerwartet starb. Um ihre Trauer zu bearbeiten, reist sie nach Tasmanien, wo ihr Mann herstammte, um mehr über ihn und seine Vergangenheit zu erfahren. Aber so schön die Insel auch ist, bei Jacksons Familie ist sie nicht willkommen, Bruder und Vater reagieren merkwürdig auf ihr Eintreffen. Starke Gefühle in einer wunderbaren Landschaft – ein ideales Buch für den Sommerurlaub. Ganz besonders auffallend der Einband, dessen blaue Wellen sich auf dem Buchschnitt fortsetzen – ein extra Hingucker!

Olivier Truc: 40 Tage Nacht

Vom warmen Tasmanien nach Lappland, von der südlichen Wärme in die polarische Kälte und Dunkelheit im Norden. Eine wertvolle Trommel der Sami wird gestohlen, der Trommler ermordet. Was erst aussieht wie ein Kunstdiebstahl, entpuppt sich nach und nach als Spitze des Eisbergs aus politischen Intrigen und dunkler Vergangenheit.

Neben dem spannenden Inhalt taucht man auch tief ein in die Kultur und Vergangenheit der Sami.

Oliver Becker: Die Schatten von New Orleans

1870, New York. Das Hausmädchen Cynthia will mit ihrer grossen Liebe, dem Sohn des Hauses, entfliehen. Doch es kommt anders als geplant. Sie wird des Schmuckdiebstahls bezichtigt und in das berüchtigte Gefängnis Ravenhorst gebracht.

Bei einem Feuer gelingt ihr die Flucht und ihr Weg führt sie von New York nach New Orleans, in die Sümpfe Lousianas, in eine Welt voll Liebe und Aberglaube. Ein historischer Roman mit einer Prise Spannung und Romantik.

Martin Schöne: Wolf sieht rot

Malta. Nach einer durchzechten nacht wacht Ex-BKA-Zielfahnder auf und findet sechs durch Kopfschüsse hingerichtete afrikanische Flüchtlinge am Strand. Nicht gut für das Image der Touristeninsel. Inspektor Sandro Bilem bittet Wolf um Hilfe. Bald wird deutlich, um welches Spinnennetz aus Intrigen, politischen und kriminellen Machenschaften es sich auf der Insel dreht.

Ein Thriller für Hartgesottene wie bereits der Vorgänger „Wolf hetzt die Meute“, auch bei uns erhältlich.

Andreas Winkelmann: Die Zucht

Deutsch-tschechische Grenze. Ein entführter sechsjähriger Junge – nur einen kurzen Augenblick lässt die Mutter den kleinen Oleg aus den Augen, da ist er schon verschwunden. Sind Pädophile am Werk? Gleichzeitig verschwindet die Tierschützerin Rike Schneider, die illegalen Hundezüchtern auf der Spur war. Henry Conroy und Manuela Sperling ermitteln.

Wer bereits die anderen Bücher von Andreas Winkelmann gelesen hat, weiss, dass er nichts für schwache Nerven ist. Spannung auf höchstem Niveau!

Martha Sophie Marcus: Kaffeeklatsch mit Goldfisch

Jeetzeburg an der Elbe. Das Hochwasser trifft die Bewohner unvorbereitet. Besonders stark ist das Haus der betagten Frau Lilienthal betroffen, die in ihrem Haus festsitzt. Beherzt helfen ihr die Freundinnen Antonia, Helen, Petra und Carolin und kommen sich in dieser Ausnahmesituation näher.

Was sich wie ein seichter Sommerstrand-Urlaubslektüre-Seichtroman anhört, hat mehr Tiefgang als der Titel vermuten lässt.

Chris Tvedt: Zu Staub sollst du zerfallen

Zurück in Norwegen, Ermittler Evard Matre soll Morde an jungen Frauen aufklären. Doch mitten in seine Ermittlungen wird er mit seiner unbekannten Vergangenheit konfrontiert. Seine Eltern sind scheinbar nicht seine leiblichen Eltern, die Knochen seiner Mutter tauchen in einem Massengrab auf.

Nach Mikael Brenne schickt Chris Tvedt einen neuen Ermittler ins Rennen, routiniert und spannend.

 

Nach dieser kleinen Länderrundreise sind hoffentlich alle in Ferienstimmung gekommen 🙂

Alle Bücher können ab sofort bei uns ausgeliehen und bestellt werden!

 

 

Krüger - Unehrlich währt am längsten

Nicht erst seit den 5 Freunden, den ???-Büchern oder TKKG üben Kinderkrimis auf Jung und Alt eine wachsende Faszination aus. Mit

Knut Krüger: „Unehrlich währt am längsten“

ist eine neue Krimi-Reihe mit Tatort Oslo am Start.

Ausgerechnet für Oslo entscheidet sich die Mutter von Franziska und Lukas, um einen Neuanfang zu wagen, natürlich, ohne die Zwillinge um ihre Meinung zu fragen. Die Liste dessen, was für eine Rückkehr nach München spricht, wird immer länger, was für einen Leben in Oslo spricht, verbleibt kurz. Doch die Hoffnung, zurück nach Hause zu ziehen, schwindet, als die Mutter sich in den, wie die Kinder finden, dubiosen Leif verliebt. Nicht nur die geheimnisvollen Einbruchsserien in der Nachbarschaft, auch Leif  muss näher untersucht werden. Hilfe bekommen sie von ihrem Klassenkameraden Alexander, dem Sohn von Kommissar Ohlsen. Eines Tages verschwindet Leif plötzlich und Franziska begibt sich in grosse Gefahr, als sie versucht, ihm nachzuforschen.

Spannend geschrieben macht der Krimi neugierig auf weitere Folgen. Man merkt es dem Buch an, dass Knut Krüger Skandinavienfan ist und sich mit dem norwegischen Leben und in Oslo auskennt.

Ein attraktives Cover und liebevolle Ausstattung mit grosser Oslo-Karte im Innenteil runden das Buch ab.

Für alle Krimifans ab 10 Jahren wärmstens empfohlen!

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